Gemäß Koalitionsvertrag der von SPD, Grünen und FDP geführten Bundesregierung soll der Klimaschutz künftig eine zentrale Leitlinie der Entwicklung in Deutschland sein. Die Klimaneutralität soll – wie im Klimaschutzgesetz vorgegeben – bis 2045 nun wirklich erreicht werden.
Noch ambitionierter gehen Mecklenburg-Vorpommern und Rostock voran, wo die Treibhausgasneutralität bereits für 2040 bzw. 2035 angestrebt wird. Das heißt der Handlungsdruck ist sehr groß.

Zunächst muss die Energieversorgung Deutschlands im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in den nächsten zwei Jahrzehnten vollständig auf regenerative Energieträger umgestellt werden. Ebenfalls müssen petrobasierte organische Grundstoffe durch möglichst weitgehend biobasierte Eingangsstoffe substituiert werden. Dieses ehrgeizige Ziel der langfristigen Integration von Biomasse und Reststoffen in ein nachhaltiges Energie- und Bioökonomiesystem ist nur erreichbar, wenn dabei Biomasse effizient, umweltverträglich und mit höchstmöglichem volkswirtschaftlichem Nutzen eingesetzt wird. Es sind zudem konsequente Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungen erforderlich, neue Technologiekonzepte und Formen der Kaskadennutzung werden ebenso benötigt wie „negative“ Emissionen.

Derzeit (Stand 2020) erzeugen wir in Deutschland aus EE aber erst 19 % der benötigten Endenergie. Aus Biomasse bereitgestellte Energie hat bei einem Anteil von etwa 52 % der EE eine besondere Bedeutung im Energiesystem, die oftmals im öffentlichen Diskurs unerwähnt bleibt. Bezogen auf die Einsatzgebiete waren dies 2020 rund 20 % an der Bruttostromerzeugung, rund 86 % der erneuerbaren Wärme und Kälte im Endenergieverbrauch sowie rund 88 % im Verkehrssektor. Bei der Umstellung z.B. der chemischen Industrie auf Nachwachsende Rohstoffe sind wir mit einem Anteil von < 15 % ebenfalls noch am Anfang, d.h. > 85 % der Rohstoffbasis sind fossiler Natur (alleine 75 % Erdöl). Hier sind künftig auch PtX-Konzepte gefragt, die z.B. die CO2-Emissionen, vorzugsweise aus der energetischen Nutzung von Biomasse, als Basis für neue Produkte nutzen.
Vor diesem Hintergrund wollen wir mit Ihnen im Rahmen des 16. Rostocker Bioenergieforums die aktuellen Entwicklungen in der gesamten Breite diskutieren und erwarten Ihre Beitragsvorschläge zu den o.g. Themen. Als Organisationsteam freuen wir uns auf Vorträge und Diskussionen aus den Bereichen Strom und Wärme, Sektorenkopplung, Bioökonomie, Speichertechnologien und die Nutzung von Nebenprodukten der Energiebereitstellung.

Prof. Dr. Michael Nelles
Professur Abfall- und Stoffstromwirtschaft der Universität Rostock und
wissenschaftlicher Geschäftsführer Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH (DBFZ)